„Eingeladen und Abgeschleppt“ – Der neue Roman der „Schreibkatzen“

4. Februar 2013 | Von | Kategorie: Neusser Kultur

 

Das Stück hat eine hundertjährige Geschichte. Die Gestaltung des Elementaren in Musik und Bewegung gepackt und zu rhythmischer Ordnung gezwungen. Brutale, aber organisierte Sinnlichkeit, die schon einige exemplarische Choreographien hervorgebracht hat. Jetzt ist „Le Sacre du Printemps“ in einer Choreographie von Ginette Laurin und der Compagnie „Ballet de Lorraine“ auf den Internationalen Tanzwochen in Neuss zu sehen.

Ob Mary Wigman oder Maurice Béjart, ob Pina Bausch, Mats Ek oder Uwe Scholz, “Le Sacre du Printemps” hat so einige Choreographen zur eigenen Inszenierung inspiriert. Zwar war die Pariser Uraufführung durch Vaslav Nijinsky mit dem Ballets Russes im Jahre 1913 ein handfester Skandal. Gleichwohl Igor Strawinskys Komposition wie auch Nijinskys tänzerische Realisation fanden entsetzte Ablehnung beim Publikum. Zu barbarisch und kultisch der Inhalt, zu antiklassisch der Tanz und zu formlos primitiv die Komposition, so das harte Urteil damals. Doch manch Werk braucht seine Zeit. Igor Strawinskys “Sacre” brauchte die Moderne. In ihr fanden seine kühnen Innovationsimpulse, die unerbittliche Dynamik gepaart mit klangvoller Poesie ihren Reiz, gelten gar als Markstein der Ballettgeschichte. Ein Thema, in dem man Akzente setzt und Tiefe ergründet, unterstrichen durch die Wucht einpeitschender Musik. „Der panische Schrecken der Natur vor der ewigen Schönheit“, wie Strawinsky selbst es formulierte, und die archaische Opferung fanden schon viele interessante Wege auf die Bühne. Am 19. Februar um 20 Uhr wird in der Neusser Stadthalle die Interpretation der kanadischen Choreographin Ginette Laurin von „Sacre du Printemps“ zu sehen sein, die sie für die Compagnie „Ballet de Lorraine“ aus Nancy geschaffen hat.

Ebenso markant und beeindruckend die zweite Darbietung des Abends vom Ballet de Lorraine, das sich durch Vielseitigkeit einen Namen machte: „White Feeling“ des portugiesischen Choreographen Paulo Ribeiro. Vier Akkordeonisten beeinflussen den Klang, der fast hypnotisierend die Tänzer ergreift. Ruhige ausholende Bewegungen führen in die Choreographie, die sich tänzerisch mehr und mehr befreit, sich in Tempo und Energie steigert.

(Nähere Infos unter www.tanzwochen.de)