Oh wie süß: Ein Haustier unterm Weihnachtsbaum! – (K)eine gute Idee?
Das wäre doch einfach goldig: Am Heiligen Abend zur Bescherung sitzt unter dem Weihnachtsbaum ein putziges kleines Kätzchen, ein niedlicher Welpe oder ein flauschiges Kaninchen. Alle werden begeistert sein. Doch was ist nach Weihnachten und wenn die erste Begeisterung vorbei ist? So ein Haustierkauf will nämlich gut überlegt sein.
„Da halten wir gar nichts von. Ich sage grundsätzlich: Tiere sind kein Überraschungsgeschenk!“ Dieses klare Statement erhält man ohne jedes Zögern von Monika Provaznik. Sie ist seit 15 Jahren die Leiterin des Tierheims Neuss-Bettikum und hat so ihre Erfahrungen gemacht. Es sei zwar nicht so, dass jedes Mal kurz nach Weihnachten mehr Tiere als sonst ins Tierheim gebracht würden: „Ich denke, dass es bekannt ist, dass Tierheime kritisch dazu eingestellt sind. Das kommt nicht mehr so häufig vor.“ Aber sie hat durchaus schon erlebt, dass Tiere abgeben wurden, weil sich der Alltag mit ihnen auf lange Sicht doch zu schwierig gestaltet hat. Erst letztes Jahr musste ihr Tierheim einen Golden Retriever-Welpen aufnehmen, „weil er den Leuten zu viel Arbeit und Mühe gemacht hat“. Monika Provaznik rät daher dringend von einem Spontan- oder Überraschungskauf ab: „Weil man dem Beschenkten auch Verantwortung aufdrückt, die er vielleicht nicht tragen kann oder – schlimmer noch – nicht will.“
Tierliebe – aber richtig!
Ein zukünftiger Tierbesitzer sollte sich also vorher gut überlegen, welches Tier zu ihm und seinem Leben passt, wie viel Zeit, Fürsorge und Geld er bereit sowie fähig ist, zu investieren. So sollte geklärt sein, wer sich bei Abwesenheit, zum Beispiel in der Urlaubszeit um das Tier kümmern kann oder was geschieht, wenn man selber vielleicht mal nicht in der Lage ist, für das Tier da zu sein. Auch die voraussichtliche Lebensdauer eines Tieres sollte unbedingt mit berücksichtigt werden. Kauft man etwa den Kindern zuliebe einen Hund, muss man sich im Klaren darüber sein, dass der unter Umständen noch immer da ist, wenn die „Kinder“ schon längst aus dem Haus sind. Selbst ein kleines Zwergkaninchen kann schon 8 bis 10 Jahre alt werden. Diese Überlegungen vor der Anschaffung eines Tieres hält auch der Tierschutzverein Neuss für unumgänglich, damit den Tieren „nicht das Herz“ gebrochen wird. Auf seiner Homepage www.tsv-neuss.de gibt er hierzu Tipps und Infos. Tierfreundin Provaznik appelliert vor allem an Eltern, die ihren Kindern mit einem Haustier eine Freude machen wollen: „Grundsätzlich sollten Eltern wissen, dass sie letztlich die Verantwortung tragen müssen. Kinder können das gar nicht alleine schaffen.“
Schöne Bescherung
Also, ein Haustier sollte wirklich nur dann unter den Weihnachtsbaum, wenn das Ganze sorgfältig geplant und mit allen abgesprochen ist, bloß nicht als spontane „Überraschung“. Tierheimleiterin Provaznik hat ansonsten noch eine andere Idee: „Schenken Sie lieber einen Teil der Ausrüstung für ein Tier oder ein Buch“, dann fühle sich auch keiner überfordert. Außerdem meint sie: „Jeder Mensch sollte das Privileg haben, sich sein Tier selber aussuchen zu dürfen.“