Die Neusser Musikschule zieht um
Vor knapp 50 Jahren, 1963, nahm das „Schul- und Jugendmusikwerk Neuss“ seinen Unterricht auf. Mit der Fertigstellung des Romaneums bekommt die Institution, deren Name mittlerweile gebrauchsfreundlicher „Musikschule“ lautet, ein neues Zuhause. Die Umzugsvorbereitungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind vollem Gange, die Stimmung ist dennoch gut.
Jochen Büttner sitzt auf gepackten Kisten, bildlich gesprochen zumindest. Noch ist für den stellvertretenden Leiter der Musikschule und seinen Bürostuhl gerade genug Platz, um an seinem Schreibtisch zu arbeiten. Um Büttner herum stapeln sich bereits volle Kartons und andere Dinge, die auf den großen Umzug ins Romaneum warten. Der wird am 2. Januar über die Bühne gehen. „Direkt nach den Ferien, am 9.1., geht der Betrieb dann an der neuen Adresse weiter. Der Unterrichtsablauf wird nicht unterbrochen“, erklärt der Lehrer für Schlagzeug- und Klavier, der 1984 seinen Unterricht an der Musikschule aufnahm. „Einige Möbel müssen dann im Januar noch geliefert werden, aber mit ein bisschen Improvisieren geht das.“ Ein ambitioniertes Programm: Ab dem 22. Dezember wird abgebaut und transportabel verpackt. Zwischendurch wird Weihnachten gefeiert, danach geht es wieder zum Einpacken in das Gebäude an der Lützowstraße, welches nach dem Auszug abgerissen werden soll.
100 Mitarbeiter und rund 24 Klaviere
Ein ruhiges Fest wird das wohl nicht. Nahezu einhundert Mitarbeiter und hunderte Instrumente, darunter allein rund 24 Klaviere müssen umziehen. Dennoch ist die Vorfreude auf die neue Adresse groß. „Das Romaneum ist ein tolles Gebäude und wir freuen uns alle darauf“, beschreibt Jochen Büttner die gute Aufbruchstimmung in der Musikschule. Im Romaneum, dessen erster Spatenstich vor knapp zweieinhalb Jahren stattgefunden hat, werden die Fernuniversität Hagen und die Volkshochschule die neuen Nachbarn der Musikschule. Während man zu Baubeginn noch von einer Fertigstellung Ende 2010 ausging, ist es nun ein paar Monate später geworden. Auf dem ehemaligen Gelände des Omnibusbahnhofs entdeckte man immer wieder neue historische Funde, zuletzt einen weiteren Teil der Stadtmauer. Nun sollen das Gebäude und der Vorplatz inklusive Vorfahrt im Februar fertig gestellt sein. Damit wird dann mit dem in direkter Nachbarschaft gelegenen Rheinischen Landestheater und dem Globe Theater ein kulturelles Dreieck in Neuss entstanden sein, das sich sehen lassen kann.
Die größte Musikschule Deutschlands
„Bezogen auf die Einwohnerzahl und die Schüler, die wir betreuen, ist die Neusser Musikschule eine der größten, wenn nicht die größte Musikschule in ganz Deutschland“, ist Jochen Büttner überzeugt. Eine Musikschule, die einiges zu bieten hat. Zwar musste man sich aufgrund der begrenzten Bausituation ebenso in Bezug auf die Räumlichkeiten begrenzen. „Die Räume sind kein Luxus, sondern eher auf Sparsamkeit optimiert“, erklärt Büttner. Aber dafür konnte mit John Flynn ein Studio- und Akustikarchitekt der Extraklasse gewonnen werden. Der Brite, dessen Wissen und Arbeit bereits in die Gestaltung der legendären Abbey-Road-Studios geflossen sind, sorgte auch im Romaneum für beste Tonbedingungen. „Die Akustik in dem Konzertsaal und den Unterrichtsräumen ist hervorragend“, schwärmt Büttner. „Das Beste daran ist aber, dass die Arbeit von John Flynn keine Mehrkosten verursacht hat. John hat sich absolut an sein Angebot gehalten. Obwohl er letztendlich mehr gemacht hat.“ So wurden auch nebeneinander liegende Unterrichtsräume mit erstklassigem Schallschutz versehen und akustisch voneinander getrennt. Leiserer Flöten- und lauterer E-Gitarrenunterricht in angrenzenden Räumen sind so kein Problem.
Von der erstklassigen Akustik im Konzertsaal und der gesamten Musikschule kann man sich nach der offiziellen Einweihung des Romaneums, am 4. Februar, ab 15 Uhr, überzeugen. Am 10. Februar, 20 Uhr und am 12. Februar, 17 Uhr folgen dann das erste und das zweite Jahreskonzert des Jazzchors der Musikschule unter der Leitung von Anne Hartkamp.





