Neusser Themen

Stadtentwicklung: Neues in Neuss

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Geschrieben von: Lothar Wirtz
Dez302011

Man müsste schon mit äußerstem Desinteresse durch unsere Stadt laufen, um anstehende Baumaßnahmen und die, die es noch werden wollen, zu übersehen. In den Gerüchteküchen der Mittagspausen und abends nach Feierabend brodelt jeder an den Bau-Süppchen mit – natürlich nicht, ohne die eigene Würze beizutragen. Was ist dran? Zeit, dass wir unseren Senf dazu geben und jemanden fragen, der es weiß.

Der Hoistener Karl Heinz Baum ist seit 1999 im Stadtrat. Das CDU-Urgestein ist seitdem Vorsitzender des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung und Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Hoisten, Speck, Wehl und Helpenstein. Also genau der Richtige, wenn es darum geht, etwas über die zukünftige Raumstruktur in Neuss in Erfahrung zu bringen. Finanzamtsgelände, VfR-Areal, Hafen und Projekt „Neuss an den Rhein“ – was passiert 2012?

Die Stadt in 20 bis 30 Jahren

Zurzeit läuft der Prozess für die Erstellung eines Masterplans für das Projekt „Neuss an den Rhein“. Dazu gehören nicht nur der bereits abgeschlossene Bau der Treppe am Hafenbecken 1 sowie die Ufer-Promenade. In dem Masterplan geht es neben dem Bereich Innenstadt/Hafen auch um die Gebiete Hammer Landstraße/Rheinparkcenter, Europadamm/Rennbahnpark und Büropark Hammfeld. Workshops mit Anrainern und Vertretern der Verwaltung wurden bereits abgehalten, nun sind die Neusser Bürger dran. Warum ein solcher Plan? „Wir wollen wissen, wo Neuss in 20 bis 30 Jahren steht. Wohin entwickeln wir uns, welche Flächennutzung werden wir haben? Wie zukunftsfähig und attraktiv ist Neuss, gerade auch hinsichtlich der Ansiedlung neuer Unternehmen und Bürger“, erklärt Baum. Es geht um Visionen. Ab Mitte Januar soll der Masterplan im Internet stehen und die Bürger auffordern, in einem Blog ihre Anregungen und Bedenken kundzutun. Anfang Februar 2012 ist dann eine weitere Bürgerbeteiligung in Form einer Informationsveranstaltung im Ratssaal vorgesehen.

Neuss an den Rhein

Die markanteste Veränderung und aktuell die größte Gerüchteküche der Stadt überhaupt ist aber sicher die Neugestaltung des Hafenbeckens 1. Auf dem Werhahngelände an der Düsseldorfer Straße soll eine Bebauung mit Wohnungen, Büros und Gewerbeeinheiten entstehen. Wann? „Zurzeit haben sich anliegende Firmen in das Prozedere eingeschaltet. Sie befürchten, in Zukunft Lärmschutzauflagen erfüllen zu müssen, die sie in ihrer Produktion einschränken könnten. Bis das geklärt ist, dauert es noch“, so Baum. Dass dieses Projekt aber scheitert, kann wohl aufgrund der bereits geleisteten Arbeit als sehr unwahrscheinlich bezeichnet werden. Was genau mit dem Wendersplatz passiert, ist ebenso Zukunftsmusik. „Es gibt Interesse eines größeren ansässigen Unternehmens, sich dorthin zu verlagern. Hier müssen Interessen abgewägt werden.“ Heißt: Schützenfest und Arbeitsplätze. Um welches Unternehmen es sich handelt, ist Baum nicht zu entlocken. Unbestätigten Informationen nach soll es sich aber um die Creditreform handeln, die zur Zeit im Hammfeld angesiedelt ist. Hieße: Wo sich sonst Schützen und Kirmesfreunde tummeln, würden dann 400 bestehende Arbeitsplätze, plus 200, die geschaffen werden sollen, entstehen.

Da läuft es rund

Der Fußball war schon öfters unser Thema. Der Verkauf des VfR-Geländes an der Hammer Landstraße ebenso. Daran hat auch die Präsentation des neuen Trainers, Ex-Fußballbundesligaspieler Günter Thiele (u. a. Fortuna Düsseldorf, Borussia Mönchengladbach), dem wir viel Erfolg wünschen, nichts geändert. „Der VFR 06 wird seine Spiele am Stadtwald austragen“, erklärt Karl Heinz Baum. „Und zwar dann, wenn sich die Gottfried-Schulz-Gruppe, wie geplant, von der Römerstraße auf das VFR-Gelände verlagert.“ So fest das steht: Das wird der eine oder andere erst glauben, wenn es wirklich geschieht. Ebenso wie die Bebauung des Bereichs um das Finanzamtsgebäude. Hier entstehen neue Wohnungen und Reihenhäuser nebst Tiefgarage. „Der Bebauungsplan steht, ist aber noch nicht rechtskräftig“, informiert Baum. Baubeginn könnte damit Ende 2012 sein. Ähnlich weit ist man bei dem Projekt auf dem Areal der ehemaligen Münsterschule. Der Abriss ist schon seit 2008 beschlossene Sache. „Dort wird aktuell an einem Lärmschutzgutachten gearbeitet, damit die Wohnungsbebauung von Beginn an den Umständen des gegenüberliegenden Hafens entsprechend gestaltet wird. Dann“, so Baum, „könnte es eigentlich losgehen.“ Mit der Neugestaltung des Areals soll schließlich auch eine Brücke über die Batteriestraße zum entstehenden „Kopfgebäude“ am Hafenbecken 1 führen (zur Realisierung fehlt jedoch noch die notwendige Finanzierung).

Da noch nicht so ganz

An anderer Stelle ist man noch nicht soweit. Am Alten Weiher soll das Alten- und Pflegeheim St. Lioba einem Wohnhaus mit 17 Einheiten weichen. „Diesbezüglich hat der Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung den vom Rat eingesetzten Gestaltungsbeirat gebeten, Stellung zu nehmen. Die Lage direkt am Nordkanal und am Grünzug des Stadtgartens ist derart exponiert, da muss über die städtebauliche Verträglichkeit beraten werden“, erklärt Karl Heinz Baum abschließend. Was immer an dieser Stelle wie und wann umgesetzt wird, fest steht: 2012 wird für Neuss ein spannendes Jahr.

 

Die Neusser Musikschule zieht um

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Geschrieben von: Lothar Wirtz
Dez302011

Vor knapp 50 Jahren, 1963, nahm das „Schul- und Jugendmusikwerk Neuss“ seinen Unterricht auf. Mit der Fertigstellung des Romaneums bekommt die Institution, deren Name mittlerweile gebrauchsfreundlicher „Musikschule“ lautet, ein neues Zuhause. Die Umzugsvorbereitungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind vollem Gange, die Stimmung ist dennoch gut.

Jochen Büttner sitzt auf gepackten Kisten, bildlich gesprochen zumindest. Noch ist für den stellvertretenden Leiter der Musikschule und seinen Bürostuhl gerade genug Platz, um an seinem Schreibtisch zu arbeiten. Um Büttner herum stapeln sich bereits volle Kartons und andere Dinge, die auf den großen Umzug ins Romaneum warten. Der wird am 2. Januar über die Bühne gehen. „Direkt nach den Ferien, am 9.1., geht der Betrieb dann an der neuen Adresse weiter. Der Unterrichtsablauf wird nicht unterbrochen“, erklärt der Lehrer für Schlagzeug- und Klavier, der 1984 seinen Unterricht an der Musikschule aufnahm. „Einige Möbel müssen dann im Januar noch geliefert werden, aber mit ein bisschen Improvisieren geht das.“ Ein ambitioniertes Programm: Ab dem 22. Dezember wird abgebaut und transportabel verpackt. Zwischendurch wird Weihnachten gefeiert, danach geht es wieder zum Einpacken in das Gebäude an der Lützowstraße, welches nach dem Auszug abgerissen werden soll.

100 Mitarbeiter und rund 24 Klaviere

Ein ruhiges Fest wird das wohl nicht. Nahezu einhundert Mitarbeiter und hunderte Instrumente, darunter allein rund 24 Klaviere müssen umziehen. Dennoch ist die Vorfreude auf die neue Adresse groß. „Das Romaneum ist ein tolles Gebäude und wir freuen uns alle darauf“, beschreibt Jochen Büttner die gute Aufbruchstimmung in der Musikschule. Im Romaneum, dessen erster Spatenstich vor knapp zweieinhalb Jahren stattgefunden hat, werden die Fernuniversität Hagen und die Volkshochschule die neuen Nachbarn der Musikschule. Während man zu Baubeginn noch von einer Fertigstellung Ende 2010 ausging, ist es nun ein paar Monate später geworden. Auf dem ehemaligen Gelände des Omnibusbahnhofs entdeckte man immer wieder neue historische Funde, zuletzt einen weiteren Teil der Stadtmauer. Nun sollen das Gebäude und der Vorplatz inklusive Vorfahrt im Februar fertig gestellt sein. Damit wird dann mit dem in direkter Nachbarschaft gelegenen Rheinischen Landestheater und dem Globe Theater ein kulturelles Dreieck in Neuss entstanden sein, das sich sehen lassen kann.

Die größte Musikschule Deutschlands

„Bezogen auf die Einwohnerzahl und die Schüler, die wir betreuen, ist die Neusser Musikschule eine der größten, wenn nicht die größte Musikschule in ganz Deutschland“, ist Jochen Büttner überzeugt. Eine Musikschule, die einiges zu bieten hat. Zwar musste man sich aufgrund der begrenzten Bausituation ebenso in Bezug auf die Räumlichkeiten begrenzen. „Die Räume sind kein Luxus, sondern eher auf Sparsamkeit optimiert“, erklärt Büttner. Aber dafür konnte mit John Flynn ein Studio- und Akustikarchitekt der Extraklasse gewonnen werden. Der Brite, dessen Wissen und Arbeit bereits in die Gestaltung der legendären Abbey-Road-Studios geflossen sind, sorgte auch im Romaneum für beste Tonbedingungen. „Die Akustik in dem Konzertsaal und den Unterrichtsräumen ist hervorragend“, schwärmt Büttner. „Das Beste daran ist aber, dass die Arbeit von John Flynn keine Mehrkosten verursacht hat. John hat sich absolut an sein Angebot gehalten. Obwohl er letztendlich mehr gemacht hat.“ So wurden auch nebeneinander liegende Unterrichtsräume mit erstklassigem Schallschutz versehen und akustisch voneinander getrennt. Leiserer Flöten- und lauterer E-Gitarrenunterricht in angrenzenden Räumen sind so kein Problem.
Von der erstklassigen Akustik im Konzertsaal und der gesamten Musikschule kann man sich nach der offiziellen Einweihung des Romaneums, am 4. Februar, ab 15 Uhr, überzeugen. Am 10. Februar, 20 Uhr und am 12. Februar, 17 Uhr folgen dann das erste und das zweite Jahreskonzert des Jazzchors der Musikschule unter der Leitung von Anne Hartkamp.

 

Neuss wird zum Tatort … im Mittelalter!

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Geschrieben von: Annelie Höhn-Verfürth
Nov292011

„Das Geheimnis der Lilie“

Mittelalter-Krimis stehen auf den Bestsellerlisten ganz weit oben. Richtig spannend wird so ein Roman aber erst recht, wenn er sich um die eigene Stadt dreht. Eine Neusser Autorin bietet jetzt mit ihrem Debütroman spannenden Lesestoff. In ihrem Krimi „Das Geheimnis der Lilie“ führt uns Simone Tives nämlich ins „Nuys“ von 1474, mitten hinein in die Zeit des Burgunderkrieges...

„Das war ja das Ereignis in Neuss“, sagt die Autorin und meint damit die einjährige Belagerung der Stadt durch Karl den Kühnen, den mächtigen und kriegserprobten Herzog von Burgund. Die Stadt war komplett abgeriegelt, die Neusser Bürger lebten in Angst vor der Eroberung und warteten auf Hilfe durch das Heer der verbündeten Kölner. Schon während  ihrer Schulzeit hat sich die ehemalige Marienberg-Schülerin intensiv mit diesem Kapitel der Neusser Geschichte befasst. Jetzt bildet das Belagerungs-Szenario den spannungsgeladenen Hintergrund für ihren Roman: „Fasziniert hat mich der Gedanke: du bist in der Stadt eingeschlossen und ein Mörder geht um.“

Mord im Schatten von St. Quirinus

Der geheimnisvolle Mörder geht ebenso grausam wie entschlossen zu Werke und hinterlässt auf den Körpern seiner Opfer ein seltsames Brandmal. Die Neusser sind entsetzt und hilflos. Dann wird auch noch der bekannte Stadtmedicus Cunrad Tuschenbroich des Mordes beschuldigt. Er ist die Hauptfigur des Krimis und bemüht sich im Folgenden natürlich nach Kräften, sich aus einem perfiden Intrigennetz zu befreien, seine Unschuld zu beweisen und den wahren Täter zu entlarven. Tatkräftige Hilfe bekommt er von seinem Freund Johann von Kotthausen, dem reichen Apotheker der Stadt und – wenn auch manchmal etwas widerwillig – von dessen Schwester Clara, der Äbtissin des Quirinusklosters. Jede der Figuren überzeugt. Cunrad als ein zunächst scheinbar „vierschrötiger Typ“, der auch schon mal handgreiflich wird, aber einen scharfen Verstand und das Herz auf dem rechten Fleck hat. Der schlagfertige Johann als sein humorvoller, feinsinniger Freund. Und schließlich die unerschrockene Clara als erstaunlich emanzipierte Ordensfrau mit kleinen Geheimnissen.
Autorin Simone Tives vermischt geschickt Fiktion und Historie. Sie zeichnet mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail ein vielseitiges Bild vom mittelalterlichen Neuss und seinen Bewohnern, aber auch von seiner ländlichen Umgebung. So spielen einige Szenen auf Schloss Hülchrath, im Kloster Knechtsteden und auch mal in Gohr. Mit ihrer lebendigen, der damaligen Zeit angepassten Sprache zieht sie den Leser in die spannende Krimihandlung und in das pralle mittelalterliche Leben von „Nuys“, mit allen glanzvollen und schmutzigen Facetten. „Sprache ist mir sehr wichtig“, sagt sie und nicht zuletzt das macht ihren Roman zu einem wirklichen Lesevergnügen.

Die Autorin

„Ich habe schon immer gerne geschrieben“, so Tives. Ihre Chance war ein Krimiwettbewerb der NGZ und des Kölner Emons Verlags 2009, der die studierte Modedesignerin unter die ersten Drei brachte. Der Kontakt zum Verlag blieb bestehen und so konnte dieses Jahr „Das Geheimnis der Lilie“ veröffentlicht werden. Zurzeit arbeitet Tives, die mit ihrer Familie in Kaarst lebt, an ihrem nächsten Roman. Sie verrät aber nur so viel: „Er spielt wieder in Neuss, aber diesmal in einer ganz anderen Epoche.“ Wir dürfen gespannt sein!

 

Liebenswertes Reuschenberg jetzt online

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Geschrieben von: Lothar Wirtz
Okt242011

„Lev Rüscheberg“, so heißt das Buch von Theo Bongartz, welches er über die Geschichte seiner Heimat anfertigte. Aus einer Vielzahl gesammelter Zeitdokumente entstand eine Sicht auf den Stadtteil mit viel Persönlichkeit und Unterhaltungswert. Jetzt gibt es das Werk online.

Jens Bongartz’ Vater Theo war in Reuschenberg bekannt wie ein bunter Hund. Das kann man von dem ehemaligen Vorstands- und Ehrenmitglied des TUS Reuschenberg, Gründungsmitglied des Schützenvereins und Archivar des Heimatvereins respektvoll sagen. Nicht zuletzt deshalb gelang es ihm auch, einen lang gehegten Plan in die Tat umzusetzen: ein Buch über Reuschenberg, mit zahlreichen Zeitzeugenberichten, beeindruckenden Fotos und Selbsterlebtem. „Mein Vater fand es immer schlimm, wenn mit den Alten das Wissen der ersten Stunden verloren gehen würde“, so der Sohn des 2010 verstorbenen Autors. Da das Buch kurz nach Erscheinen Ende 2003 vergriffen war, gibt es nun eine komfortabel zu lesende Online-Version. Unter www.lev-ruescheberg.de kann man die 148 Seiten bequem am Bildschirm lesen. Wer trotzdem eine gedruckte Version haben möchte, dem schickt Jens Bongartz gerne eine Druckdatei.

 

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