Die wahren Olympioniken
„Dabei sein ist alles“, der ursprüngliche Olympische Gedanke ist bei heutigen Olympiaden kaum mehr spürbar. Populär sind dagegen Einschätzungen wie „Zweiter sein, heißt erster Verlierer sein“. Das gilt nicht bei den Special Olympics World Summer Games. Obwohl es erlaubt sein darf, vor der Leistung von Dirk Fink und seinem Trainer Thomas Gindra den Hut zu ziehen: Sie brachten drei Goldmedaillen von den Weltspielen der Geistigbehinderten mit nach Hause.
Thomas Gindra erzählt leise und entspannt. Der 46-jährige Trainer und Gründer des GWN Sport Team sitzt in seinem Büro auf der Königsberger Straße mit Blick auf den Willi-Brandt-Ring. Die Wand zieren unzählige Notizen und Fotos. Selbst wer Gindra nicht kennt, merkt umgehend: Hier arbeitet ein Sportverrückter – in positivem Sinn.
Dreimal Gold und Anerkennung
„Es geht bei uns darum, den Athleten ein einzigartiges Erlebnis zu ermöglichen. Wir sind keine Profis, aber natürlich geht es auch um Leistung. Nur: Dirk Fink bekommt für seine drei Goldmedaillen, die er bei den Special Olympic Summer Games in Athen geholt hat, jede Menge Anerkennung. Aber kein Geld“, betont der Tischtennis-Coach. Dass eine solche Leistung nicht behinderten Athleten zum Superstar-Status verhelfen würde, stört Gindra nur bedingt. „Natürlich hätten wir gerne mehr Aufmerksamkeit in den Medien. Wir sind ja als einzige Veranstaltung der Welt neben den Olympischen Spielen als olympisch vom IOC anerkannt.“ In den USA, erzählt Gindra weiter, hätten die Special Olympic Games eine ganz anderen Stellenwert; was schon allein daran liegt, dass dieses Sport-Event einst von der Familie Kennedy ins Leben gerufen wurde und nach wie vor von zahlreichen Prominenten unterstützt wird.
7.500 Athleten aus über 180 Ländern
Mit 167 Sportlern und 59 Trainern zählte die Deutsche Delegation zu den größten des Teilnehmerfelds. Bei den Special Olympics werden die gleichen Sportarten betrieben, wie bei den Spielen den Nichtbehinderten. Um einen Unterschied gleich deutlich zu machen: Die Special Olympic Games sind nicht die Paralympics. Letzteres ist die Veranstaltung der körperlich Behinderten. Ein großer Unterschied. Denn während bei den Paralympics Athleten nach dem Grad ihres körperlichen Handicaps gegeneinander antreten, wird dies bei den Special Olympics anders gehandhabt. „Beim Tischtennis ermitteln wir das Niveau der Sportler, indem wir sie in Vorrunden gegeneinander spielen lassen. Die Ergebnisse werden per Computer ausgewertet und dementsprechend Gruppen gebildet. So vermeiden wir, dass ungleiche Auffassungsgaben aufeinander treffen“, erklärt Gindra das ungewöhnliche Prozedere, welches mehrere Goldmedaillen-Gewinner in einer Disziplin ermöglicht. Was in keiner Weise die Leistung der Aktiven mindert.
Zwölf Spiele in acht Tagen in einer Disziplin
Für den Neusser Tischtennis-Spieler Dirk Fink bedeutete dies, dass er sieben Vorrunden-Matches, drei Gruppenpartien sowie Halbfinale und Finale erfolgreich bestreiten musste, um Gold zu gewinnen. Nur im Einzel, wohlgemerkt. Der 43-jährige des GWN Sport Team nahm auch noch im Mixed- und Doppelwettbewerb teil – und landete auch hier ganz oben auf dem Treppchen. „Das war schon ein herausragende Leistung, die zum einen unserem Training zu verdanken ist und zum anderen Dirks Spielbegeisterung. Der will einfach immer spielen“, lächelt Gindra. Gemeinsam spielen Trainer und Sportler übrigens in einer integrativen Mannschaft. „Angefangen hatte alles vor 17 Jahren mit ersten Wettkämpfen in den Werkstätten. Mittlerweile trainieren wir dreimal pro Woche und spielen in der 3. Kreisliga der Herren.“ so der Sportlehrer, der 2005 das GWN Sport Team gründete. Zehn Mitglieder hat die Tischtennis-Mannschaft, drei nicht behinderte und sieben geistig behinderte. „Dieses ganze Engagement geht auch nur mit einer Familie, die das mitmacht. Aber es macht ungeheuren Spaß, weil die Aktiven so viel mitnehmen. Ein gesteigertes Selbstwertgefühl und Anerkennung, auch und gerade von Nichtbehinderten. Da bekommt man in seiner Funktion als Trainer, Organisator oder auch Fahrer unheimlich viel zurück“, so Thomas Gindra zu seinem Engagement. Wenn dann noch drei Goldmedaillen von seinem Schützling dabei herauskommen, freut das natürlich umso mehr.





