Nervös nicht, gespannt ja
Mit zehn Jahren war Hamza Touba Ringen zu langweilig, genauso wie Fußball. Also trat er in die Fußstapfen seines Vaters und ging zum Boxtraining. Heute, knapp zehn Jahre später, ist der 19-jährige Neusser amtierender Deutscher Meister und ist auf dem Weg, sich für die Olympischen Spiele 2012 in London zu qualifizieren.
Entspannt sitzt er da, freundlich und offen. Hamza Touba hat sich für uns eine Auszeit gegönnt und ist vom Olympischen Stützpunkt Rhein-Nekar, wo er das Sportinternat besucht, in seine Heimatstadt gekommen. Der gebürtige Neusser trainiert dort zweimal täglich, der Unterricht und die Lernzeiten sind den Trainingseinheiten der Sportler angepasst. Dies gilt für das Boxen ebenso wie für andere Sportarten, die hier intensiv trainiert werden, von Basketball über Eishockey bis hin zu Volleyball, Schwimmen und anderen.
7 Uhr morgens, Puls 150
Für Hamza Touba bedeutet das ein tägliches Trainingspensum, das es in sich hat. Morgens um 7 Uhr vor der Schule heißt es eine Stunde lang lockeres Krafttraining und rund acht Kilometer Joggen. Nach dem Duschen geht es zum gemeinsamen Frühstück mit den anderen Athleten, um 9 Uhr beginnt der Schulunterricht. Der dauert unterschiedlich lang, ist aber spätestens um 15 Uhr zu Ende. Nach dem Unterricht gibt es Mittagessen, und da gilt es das erste Mal ordentlich rein zu hauen: Kohlenhydrate müssen her, sonst fehlt für die spätere Einheit die notwendige Energie. „Immer wieder Nudeln. Ganz ehrlich, seit 2 Jahren habe ich auf Nudeln keinen Bock mehr. Aber es geht ja nicht anders“, so der Fliegengewichtler zu seinem Speiseplan. „Es gibt auch öfter mal was anderes, aber halt immer wieder Nudeln.“ Nach dem Mittagessen macht der angehende WM-Teilnehmer Hausaufgaben und kann Nachhilfe in Anspruch nehmen. Um 17 Uhr 30 ist dann das tägliche Haupttraining: 100 Prozent Belastung, Puls 180 bis 200, Sparring, Sprints, Schnellkraft-Maximalkraft-Training. „Zum Beispiel nehmen wir den Medizinball und werfen den mit einer Geraden an die Wand, zehnmal links und zehnmal rechts. Anschließend werfen wir den Medizinball mit einem Aufwärtshaken an die Wand, zehnmal links, zehnmal rechts. Und dann machen wir das noch mit dem Seitwärtshaken. Ebenfalls zehnmal links, zehnmal rechts.“ Bis 19 Uhr geht das Training, danach ist bis zum Abendessen um 20 Uhr Freizeit, es sei denn, es stehen Arbeiten an. Dann wird dafür noch gelernt. Um 23 Uhr 30 heißt es, Licht aus.
Ich gebe nicht so schnell auf
Seit vier Jahren ist Hamza Touba nun auf dem Sportinternat. Früher hatte er schon mal das Gefühl, etwas zu verpassen. „Heute sehe ich das anders. Ich bin froh, dass ich das gemacht habe. Man lernt viele Charaktere kennen, positive und negative. Man lernt zu unterscheiden zwischen Menschen, die dich überrumpeln wollen oder denen, die dir helfen wollen. Und durch das Boxen bleibt man gelassener: Bei schulischen Dingen und auch bei anderen Sachen gebe ich nicht so schnell auf wie andere.“ Ihm fehlt es nicht, zu rauchen oder Alkohol zu trinken. „Ich verstehe, dass es manchmal schwer ist, wenn man Nein sagen soll. Aber man kann auch ohne Trinken in der Disko Spaß haben. Vielen fällt es auch nicht leicht, auf das Rauchen zu verzichten. Ich sage denen dann immer, dass wenn sie es wirklich nicht wollen, sie es auch nicht brauchen.“ So standhaft ist Hamza Touba auch im Ring. Übrigens von Beginn an, denn seinen ersten Kampf als 10-jähriger verlor er. Während andere enttäuscht aufhören, wollte Touba unbedingt weitermachen mit dem Boxen, nur so konnte er den nächsten Kampf gewinnen, erzählt er.
Olympia? Dann eine Medaille!
Im September geht es für Hamza Touba um den Weltmeister-Titel in Baku/Aserbaidschan. Dann kämpft er gleichzeitig um die Olympia-Qualifikation. Mindestens unter die ersten Acht muss er kommen, dann hat er das Ticket für London 2012 gelöst. „Nervös bin ich nicht, dafür habe ich schon zu viele, auch größere Wettkämpfe gemacht. Aber gespannt bin ich schon.“ Die Qualifikation will er auf jeden Fall schaffen, „mit einer guten Auslosung geht auch ein bisschen mehr“. Sollte dies gelingen, dann hat Neuss einen neuen Olympiateilnehmer. Dann will es Hamza Touba allerdings nicht bei dem olympischen Motto „Dabeisein ist alles“ belassen. „Also, wenn ich bei Olympia bin, dann will ich mindestens zwei Kämpfe gewinnen“, so Touba. Dann hält er kurz inne und ergänzt: „Aber ich gehe natürlich davon aus, dass ich eine Medaille mit nach Hause nehme.“ Sein Betreuer Tören Welsch kümmert sich derweil um neue Sponsoren für seinen Schützling. „Die Kosten können wir vom Boxring Neuss nicht alleine stemmen. Da brauchen wir Unterstützung.“ Sollte Hamza Touba durchstarten, dürfte jetzt für Sponsoren der ideale Zeitpunkt sein. Nach WM und Olympia könnte das Ganze nämlich ungleich teurer werden.





