Neuss im Roman…Zurück ins Mittelalter!
Das „düstere“ Neusser Mittelalter fasziniert offenbar Neusser Autoren. So auch Frank Kurella, der gleich zwei Romane in diese Zeit verlegt hat: Sein Debüt „Das Pergament des Todes“ von 2007 und den Folgeband „Der Kodex des Bösen“ von 2009. Zwei spannende Geschichten rund um den jungen Marcus und seine Freunde, die die Leser ins späte 13. Jahrhundert versetzen und vor einem wahren historischen Hintergrund spielen.
„Ich spüre in Neuss die Tradition und die Geschichte. Das gefällt mir“, sagt Frank Kurella. 1964 in Düsseldorf geboren, lebt er schon seit 1995 mit seiner Familie in Neuss und fühlt sich auch als Neusser: „Das „Sich-als-Neusser-Fühlen“ hat sich sehr schnell durch das Interesse an Historischem und mit meinen Aktivitäten im Schützenwesen eingestellt“. Am Beginn seiner schriftstellerischen Arbeit stand aber zunächst einmal ein Comic. Ein Ausstellungskatalog des Clemens-Sels-Museums über Neuss und die Hanse im Mittelalter hatte Kurella auf diese Zeit Neusser Geschichte aufmerksam gemacht. Bei weiteren Recherchen stieß er auf viel Fachliteratur, „die jedoch für einen interessierten (Laien-) Leser oftmals ‚überqualifiziert‘“ war: „Deswegen habe ich mir gedacht: Die Geschichte muss doch auch in „bekömmlicher“ Art vermittelbar sein. So wurde meine Idee zum Comic „Neuss im Mittelalter“ geboren“. Das war 2004. Eine Menge Material und Ideen blieben aus dieser Arbeit übrig, doch es sollte danach noch drei weitere Jahre dauern bis Kurella, der hauptberuflich als Bankkaufmann und nebenher noch als Grafiker arbeitet, den ersten eigenen Roman im Gmeiner-Verlag veröffentlichen konnte.
Der falsche Kaiser von Neuss
„Wichtig war mir, den Grundgedanken des Comics „Historische Wahrheiten auf unterhaltsame Weise zu vermitteln“ beizubehalten“, erzählt Kurella. So hat er sich als Hintergrund für sein Debüt eine wahrhaft skurrile Begebenheit der Neusser Geschichte herausgesucht. 1284 wurden die Neusser Bürger nämlich Opfer eines Hochstaplers: Tile Kolup, „ein einfacher alter Mann aus dem Volk“, hielt als der totgeglaubte und hochverehrte Kaiser Friedrich II. Einzug in Neuss und wurde dort mit Freude empfangen und beherbergt. Hiermit verknüpft der Autor den fiktiven Kriminalfall um den Straßenjungen und Taschendieb Marcus, der versehentlich das „Pergament des Todes“, einen Brief mit brisantem Inhalt, stiehlt und so in einen verhängnisvollen Strudel von Mord und Intrigen rund um den vermeintlichen Kaiser gerät. Kurella war dabei nicht nur die genaue Recherche der historisch verbürgten Ereignisse wichtig, sondern auch die korrekte Schilderung mittelalterlichen Lebens. Etwa ob ein Kutscher tatsächlich auf einem „Bock“ sitzt oder nicht vielleicht doch steht oder ob ein Mann seines Standes Pfeife raucht und wenn ja, was dann in der Pfeife ist. Details also, die seiner Meinung nach „gar nicht so augenscheinlich sind und dennoch vielen fachkundigen Lesern auffallen“. Dafür hat er eng mit dem Neusser Stadtarchiv zusammengearbeitet und ist auch zur „Stimmungsaufnahme“ an den Ort damaligen Geschehens gefahren wie in die Abtei Brauweiler in der Nähe von Köln, die in seinem zweiten Roman vorkommt.
Raub der Reliquien
„Der Kodex des Bösen“, spielt nämlich im Jahre 1288 und führt den inzwischen zum jungen Mann gereiften Marcus bis in die berühmte Schlacht von Worringen, die Kurella „als Kontext für fiktive Mysterien, Raubmorde und Liebe“ dient. Marcus wird diesmal, natürlich zu Unrecht, beschuldigt, die Reliquien des Heiligen Quirinus gestohlen und einen Priester umgebracht zu haben. Er flieht aus Neuss, findet die Liebe seines Lebens und neue Freunde, aber kommt auch hinter ein unglaubliches Geheimnis. Die Geschichte birgt also auch alle Zutaten, die man von einem spannenden Mittelalter-Roman erwartet.
Zurzeit hat Frank Kurella wenig Zeit zum Schreiben, aber noch viele Ideen: Vom Thema „Neuss in der Franzosenzeit“ bis zur „augenzwinkernden Gesellschaftssatire der heutigen Zeit“ kann er sich einiges vorstellen. Für Lesungen, die er immer mit mittelalterlicher Musik und entsprechender „Gewandung“ abhält, lässt er sich aber durchaus gerne engagieren! Mehr dazu unter www.neussgierig.de.





