Vom Schatzkabinett bis Gustave Moreau

Jan302012
Geschrieben von: Marion Stuckstaette
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Jubiläumsjahr im Clemens-Sels-Museum

Das ist schon ein ganz besonderes Jahr in der Neusser Kunstwelt, dieses 2012. Vor 100 Jahren öffnete das Clemens-Sels-Museum zum ersten Mal seine Pforten. Grundlage war ein großzügiges künstlerisches Vermächtnis von Pauline Sels, für das am Markt eigens ein Gebäude errichtet wurde. Gleichwohl ist es nicht nur ein Jahr der Retrospek­tive, sondern vielmehr ein Blick voraus. Wie sieht das Neusser Museum der Zukunft aus, wie stellt man sich auf? Neuss hat ein kleines Juwel an der Hand, das es auch in den Zeiten begrenzter kultureller Förderungen zu schützen und zu wahren gilt.

Sanierungen stehen an, aber wollen finanziert werden. Da gilt es mehr denn je, sein Profil zu schärfen, sich bei Bevölkerung und Politik Präsenz und Ansehen zu verschaffen. Neuss hat ein eigenes Museum, das seinen Ausbau großzügigen Spendern und Förderern zu verdanken hat. Ein Haus, das um seine liebevoll zusammengesuchten Schätze weiß. Die Bestände sind vielfältig, gehen von archäologischen Funden und  kunsthistorischen Objekten zu Gemälden und Grafiken, von der Kunst der Nazarener, Präraffaeliten über die Symbolisten und Rheinischen Expressionisten bis hin zur Kunst der Naiven. Ein interessantes Spektrum, mit dem man arbeiten kann, auf das man sich aber nicht allein verlässt. Die jüngsten Ausstellungen zeigten dies, ob zur Künstlerfreundschaft von Maillol und Denis, ob zu den Farbräumen von Susanne Stähli, den römischen Gaumenfreuden oder den Picasso-Grafiken. Die Kuratoren des Hauses sind rege und engagiert, neue Perspektiven auf die Kunst zu legen. Da ist das Jubiläumsjahr ein willkommener Anlass, sich zu positionieren.
Ein großes Highlight der Saison wird die Ausstellung „Sehnsucht nach Farbe – Moreau, Matisse und Co.“ sein, zu der bedeutende Museen wie die Pariser Häuser Centre Pompidou und Musée d’Orsay Leihgaben zugesagt haben. Das allein, so Museumsdirektorin Dr. Uta Husmeier-Schirlitz, zeige einmal mehr, welchen Ruf sich das Neusser Museum im In- und Ausland erworben habe. Die Ausstellung im September befasst sich mit der Frage, welche Wirkung Gustave Moreau, der als Vater des Symbolismus gilt, als Künstler und Lehrer auf seine Schüler - wie Henri Matisse und Georges Rouault oder Edgard Maxence und Henri Evenepoel - hatte. Der Blick in sein „Laboratorium“ wird geschärft und sein Kunstverständnis durchleuchtet, wie er auf Tradition baute und sie mit der Moderne verband.
Gestartet ist das Jubiläumsjahr mit der Ausstellung „100 Jahre – 100 Schätze“. Sie ermöglicht einen Einblick in die künstlerische Breite des Hauses und präsentiert hochkarätige Arbeiten, die nicht dauerhaft zur Schau gelangen. Besonderen Wert wird in dieser Saison darauf gelegt, die Bevölkerung noch stärker einzubinden. Hierzu wird eine „Neusser Wunderkammer“ eingerichtet, in die Bürger vorübergehend eigene Sammelobjekte oder Kuriositäten einstellen sollen. Weiter werden unter dem Motto „Museum der Zukunft“ Wünsche zur Gestaltung eines lebendigen Museums gesammelt. Durch gezielte Aktionen, zu denen auch das Jubiläumsfest am 16. Juni zählt, sollen die Neusser ihr Museum als Quelle kultureller Identität begreifen. (Weitere Infos unter www.clemens-sels-museum.de )

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